 Der rote Kreis auf der japanischen Nationalflagge ist das alte matriarchale Symbol der Sonnengöttin Amaterasu.
Die Belege für ein Matriarchat im frühen Japan sind so eindeutig, dass sie selbst in konservativen Büchern wie dem von Time-Life anerkannt werden. Freilich wird es als "barbarisch" bezeichnet.
Um 500 v.u.Z. war Japan von Menschen bewohnt, die mit den heutigen JapanerInnen nicht verwandt waren. Im 2./1. Jahrhundert v.u.Z. fielen Reiterkrieger, die über Korea kamen in Südjapan ein, unterwarfen die matriarchalen Stämme und brachten ihre Kenntnisse mit, wie man grobe Gewehre herstellte und Eisen schmolz. Es entstand eine Mischkultur.
Ein chinesischer Reisender berichtete 238 u.Z., dass Südwestjapan in viele kleine Staaten aufgeteilt seien, "die häufig von Zauberinnen regiert wurden", wie es im Time Life-Band "Japan" heißt.
Eine dieser "Hexenköniginnen" habe Himiko geheißen, hinter verschlossenen Türen in einem befestigten Palast gelebt, mit tausend Dienerinnen und einem Mann, dessen Amt es war, zwischen ihr und ihren Untertanen Verbindung zu halten. Das klingt für mich nach einem ausgefeilten politischen System, nicht nach einer primitiven Lebensweise.
Diese tausend Frauen waren sicher keine Dienerinnen, sondern der Kronrat und das Kontaktnetz der Königin mit den matriarchalen Sippen des Landes.
Die Priesterin-Königin des Ur-Shinto stand in engstem Bezug zur Göttin, die in schmanischen Ritualen von ihr verehrt wurde und durch sie erschien. Im ekstatischen Zustand war sie eine Verkörperung der Göttin selber. Dies spiegelt der japanische Begriff "Kami" für Gottheit, der gleichzeitig für "einer Gottheit dienen" und "eine Gottheit sein" steht.
In chinesischen und japanischen Geschichtswerken werden zahlreiche regierende Königinnen zur Zeit des Ur-Shinto erwähnt, die alle zugleich Schamaninnen waren. Die lange Reihe der Schamaninnen-Königinnen reichte bis ins 3. Jh. u.Z.
Es gilt als sicher, dass die ersten japanischen Chroniken im 8. Jahrhundert u.Z. als "amtliche Auftragswerke" entstanden sind. Alles, was wir darin über die japanische Frühgeschichte lesen können, ist genauso gefälscht wie die jüdische Geschichte des Alten Testaments oder die christliche Bibel.
Ab dem 7. Jahrhundert wurde der Einfluss des aus China kommenden Buddhismus stärker. Der obersten Shinto-Göttin, der Sonnengöttin Amaterasu, wurden Worte zugeschrieben, wonach beide Religionen Formen des gleichen Glaubens wären. Frauen blieben weiterhin als Stammespriesterinnen tätig, beim staatlichen Schrein-Shinto allerdings nicht mehr ausschließlich. Auch Männer wurden zu verbeamteten Priestern gemacht, aber sie bekamen weibliche Namen und trugen Frauenkleidung. Danach wurde die Shinto-Religion mit ihren Göttinnen uninteressant, bis sie 1868 in völlig veränderter Form zur Nationalreligion wurde.
Der Ausdruck "Tenno" wurde übrigens erst 1936 für allgemeingültig erklärt und bezeichnete ursprünglich, wie Peter Crome feststellt, "den Gott des chinesischen Taoismus und wurde vom Polarstern abgeleitet." Im 10. Und 11. Jahrhundert wurde die elegante Literatur praktisch ausschließlich von Frauen geschrieben. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich die Kriegerkaste der Samurai, "Jemand, der dient" - stets das Ideal androzentrischer Gesellschaften. Japan wurde zunehmend zu einer Militärdiktatur, deren Festigung die Entwertung und Entrechtung der Frauen mit sich führte.
Bis ins 14. Jahrhundert blieb die Ehe matrilokale Besuchsehe. Im Jahr 1629 wurden alle Schauspielerinnen von der Bühne verbannt, "um eine Gefährdung der öffentlichen Moral zu verhindern" - wie einige Jahrhunderte früher in Europa.
Im Ur-Shinto waren alle Frauen Priesterinnen; jede Frau, welche die Initiationsriten vollzogen hatte, konnte spontan Rituale ausüben. Das altjapanische Wort "Imo" bedeutet zugleich "Schwester", "Geliebte" und "Gattin".
Neben der Sonnengöttin Omikami Amaterasu (deren Bruder der Sturmgott Susanu war) gab es im Volksglauben verschiedene Sippen- und Gehöftgöttinnen. Der Königinnen-Titel Himiko bedeutet "Tochter der Sonne".
Es finden sich auch eine sehr alte Erd- und Waldgottheit, außerdem eine Berggöttin, "Bergprinzessin" genannt, die auf erotische Abenteuer aus war, und nicht zuletzt die Göttin des heiligen Berges Fuji Yama.
Als die Japaner ihre Mythologie überarbeiteten, um sie den neuen patriarchalen Gedanken anzupassen, wurde die Göttin Marici vermännlicht, und ihre frühere Identität als Omikami Amaterasu geriet in Vergessenheit.
Doch bis heute leitet sich der kaiserliche Stammbaum von der Sonnengöttin Omikami Amaterasu her und die japanische Nationalflagge trägt mit dem roten Kreis deren Sonnensymbol.
Während der Staats-Shinto in der Gegenwart zur Privatsache des Kaiserhauses degenerierte, breiten sich gleichzeitig im Volk neue Religionen aus, die sehr oft von Frauen gegründet werden und die dabei auf den Ur-Shinto und dessen Schamaninnen-Wesen zurückgreifen.

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