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Wenn ein Baby zu lächeln beginnt.

Lächeln?

Lächeln?

Lächeln?

Lächeln?

Können wir die Signale von Kindern wirklich verstehen?

Es dauert nicht lange, da kann ein Baby lächeln und glucksen, wenn jemand nahe genug kommt, um eine Mitteilung zu empfangen. Wenn es nicht aufgenommen wird, jedoch etwas erkennbare Aufmerksamkeit erhält, lächelt und quietscht es, um noch mehr davon hervorzulocken. Wird es aufgenommen, hat sein Lächeln seine Botschaft erfüllt und kehrt nur wieder, um seinen Gefährten zu weiterem erfreulichem Verhalten zu ermuntern, wie etwa: Töne zu produzieren, ihm den Bauch zu kitzeln, es auf einem Knie zu wippen oder so zu tun, als wolle man es in die Nase kneifen.

Seine Mutter ist überzeugt, die geschätzte Mutter eines glücklichen Babies zu sein, weil es lächelt, wann immer sie zu ihm kommt. Die bittere Qual, aus der die ganze übrige Zeit seines Wachseins besteht, ruft bei ihm keinerlei negative Gefühle ihr gegenüber hervor; vielmehr strebt es dadurch nur um so verzweifelter danach, bei ihr zu sein.

Während das Kleinkind sich weiterentwickelt und seine kognitiven Fähigkeiten erwachen, wird ihm ein Unterschied im Verhalten der Mutter bewusst, wenn sie entdeckt, dass seine Windeln gewechselt werden müssen. Sie gibt einen deutlich abweisenden Ton von sich. Sie wendet den Kopf auf eine Art zur Seite, die zeigt, dass sie es nur ungern sauber und behaglich macht.

Ihre Hände bewegen sich schroff und mit dem geringstmöglichen Körperkontakt. Ihre Augen sind kalt und sie lächelt nicht.

Indem sich die Wahrnehmung dieser Haltung schärft, beginnt sich die Freude des Kindes darüber, gepflegt, berührt zu werden und sein chronisches Wundsein für eine Weile gelindert zu finden, mit der Verwirrung zu vermischen, die der Vorläufer von Furcht und Schuldgefühl ist.
Mit dem Erkennungsvermögen wächst die Angst, der Mutter zu missfallen; und ihr Missfallen wird durch eine wachsende Anzahl von Handlungen ausgelöst; etwa wenn es sie an den Haaren zieht, sein Essen verschüttet, auf ihre Kleidung sabbert (und, ganz rätselhaft, bei einigen Kleidern mehr als bei anderen), ihr seine Finger in die Augen piekt, an ihrer Halskette zieht, seine Rassel oder seinen Bär aus dem Kinderwagen wirft oder eine Teetasse mit ungezieltem Schlag umstößt.

Es kann die Mehrzahl dieser Handlungen nur schwer mit ihrer Reaktion in Verbindung bringen. Es hat nicht bemerkt, wie die Teetasse umkippte; es versteht nicht, was sie plötzlich dazu bringt, es hasserfüllt zu behandeln, wenn es an ihrer Halskette zieht; es entgeht völlig seiner Aufmerksamkeit, dass es auf irgendetwas sabbert, und es nimmt nur verschwommen wahr; dass das Umstoßen seiner Breischüssel, womit es Aufmerksamkeit erregen wollte, das Gegenteil davon bewirkt.

Es fühlt aber, dass das immer noch besser ist, als gar keine Aufmerksamkeit, und stößt weiterhin die Schüssel von dem Gerät, in das es nun zu den Mahlzeiten eingesperrt wird. Wenn seine Mutter versucht, es mit dem Löffel zu füttern, wedelt es mit den Armen und stößt und kreischt mit dem Ziel, ein befriedigenderes Ereignis daraus zu machen.
Es sucht das Gefühl der Richtigkeit, das irgendwo zu finden sein muss, in den Bestandteilen: Gegenwart der Mutter, sein Essen und es selbst. Aber trotz aller Mitteilungsversuche vermag es dies nicht zu erlangen. Die Versuche verwandeln vielmehr das bisschen Aufmerksamkeit, das sie ihm entgegenbringt, in eine Ablehnung, deren Art es mit der Zeit leichter deuten kann - im Gegensatz zu all den frühen, ihm völlig unerklärlichen Ewigkeiten der Vernachlässigung.

Sind das kleine verzweifelte Clowns, 
die sich zu großen verzweifelten Clowns  entwickeln?

Big Boy!

Sein Vernachlässigtsein und sein Verlangen sind ihm bereits grundlegende Bestandteile des Lebens. Es hat nie etwas anderes gekannt.

In seinem Verständnis ist Selbst gleichbedeutend mit ungestilltem Verlangen, Warten. Der/die/das andere bedeutet: versagend, verschlossen.

Dieser Zustand mag, obwohl er sein Leben lang anhalten wird, unbemerkt bleiben - aus dem einfachen Grund, dass es sich keine andere Art der Beziehung von Selbst zu Anderem vorstellen kann.
Die fehlenden Erfahrungen der Säuglingszeit und, als Ergebnis, die Lücke an der Stelle, wo sein Gefühl von Vertrauen sein müsste, sowie sein unsäglicher Entfremdungszustand werden alles, was das Kind dereinst wird, bedingen und beeinflussen, während es um den Rand des Abgrundes herum aufwächst, an dem man sein Selbstgefühl verkümmern ließ.

Doch ist es wichtig zu verstehen, dass in seinem frühen Leben kein Mechanismus vorhanden ist, der eine unzulängliche Mutter in Betracht ziehen könnte, eine Mutter ohne funktionierendes Kontinuum - eine, die auf Säuglingszeichen nicht reagiert, eine, die der Erfüllung seiner Erwartungen entgegensteht anstatt diese zu bejahen.

Später, wenn sein Verstand sich entwickelt, "versteht" es vielleicht, dass ihre Interessen und die seinen voneinander abweichen, und wenn es heranwächst, kämpft es vielleicht darum, sich unabhängig von ihr zu verhalten, um sich zu retten. Doch im Grunde seines Herzens kann es nie ganz daran glauben, dass die Mutter es nicht bedingungslos liebt, einfach, weil es da ist, mag es auch von den Dächern herunterschreien, dass es das besser weiß.
Alle Gegenbeweise, all sein verstandesmäßiges Begreifen der Tatsachen, all seine Beteuerungen, Distanzierungen von ihr und all seine gegen sie aufbegehrenden Handlungen aufgrund solcher Beweise ihrer feindlichen Einstellung: nichts davon kann das Kind von seiner innersten Überzeugung abbringen, dass sie es liebt, dass sie es trotz allem irgendwie lieben müsse.

"Hass" gegen eine Mutter (oder Mutterfigur) ist der Ausdruck eines aussichtslosen Kampfes, sich von dieser Überzeugung zu befreien.

Das Wachsen der Unabhängigkeit und die Kraft zum emotionalen Reifen entspringen weitgehend der Beziehung, die sich beim Getragenwerden ausgebildet hat, in all ihren Aspekten. Daher kann man nur durch die Mutter unabhängig von ihr werden, wenn sie nämlich ihre richtige Rolle einnimmt, einem die Erfahrung des Getragenwerdens gewährt und einem nach dieser Erfüllung erlaubt, selber den nächsten Schritt zu tun.

Von einer Nicht-Kontinuum-Mutter kann man sich jedoch niemals befreien. Das Verlangen nach ihr besteht zwangsläufig fort.

Im Jahre 1950 wurde Dr. John Bowlby von der Londoner Tavistock-Klinik von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beauftragt, einen Bericht über das Schicksal von "in ihrem Geburtsland heimatlosen Kindern" im Hinblick auf den Zustand ihrer geistigen Gesundheit zu erstellen. [J. Bowlby, Maternal Care and Mental Health, WHO, 1951] Die von ihm untersuchten Kinder stellten in jedem Land die extremsten Fälle von Entbehrung mütterlicher Zuwendung dar; ihre Zahl ging in die Tausende.

Die Information, die er von Menschen sammelte, die auf diesem Gebiet arbeiteten, bezog sich auf viele Jahre und Situationen: Kinder, die von klein auf in Institutionen lebten, andere in Pflegeheimen, einige von den eigenen Eltern vernachlässigt, Babies und Kleinkinder, die die kritischen Monate oder Jahre ihrer Frühentwicklung im Krankenhaus verbrachten, in Kriegszeiten Evakuierte und Opfer aller möglichen Umstände, welche sie selbst jenen dürftigen Grad an mütterlichem Kontakt entbehren ließen, der allgemein als normal gilt.
In der Untersuchung wurden andere Gründe als "emotionale Entbehrung aufgrund von Mangel an mütterlicher Zuwendung" erst nach sorgfältigster Prüfung des Untersuchungsmaterials ausgeschaltet.
Das Bild, das aufgrund der Beschreibungen und Statistiken in diesem Bericht entsteht, ist das schrecklicher individueller Qualen, zehn-, hundert-, tausendmal multipliziert über jedes Begriffsvermögen hinaus; und es bezeugt die Leere des Lebens, das den Entbehrungen folgt, die "Gefühlsarmut" jener, die am schwersten vernachlässigt wurden; sie haben die Fähigkeit eingebüßt, Bindungen einzugehen, was gleichbedeutend damit ist, jemals den Wert des Lebens selbst zu kennen.

Es dokumentiert die Qualen jener, die immer noch um das ihnen von Geburt zustehende Recht auf Liebe kämpfen, indem sie lügen, stehlen, andere Menschen brutal angreifen oder sich mit der Intensität von Blutegeln an Mutterfiguren klammern, wobei sie in infantiles Verhalten zurückfallen in der Hoffnung, endlich als das Kleinkind behandelt zu werden, das immer noch in ihnen lebt und nach seiner Erfahrung hungert.

Es zeichnet auf, wie diese verzweifelten Menschen ständig fortbestehen, indem sie Kinder hervorbringen, die sie nicht lieben können, die genau wie sie aufwachsen, ihrem Selbst entgegengesetzt, der Gesellschaft feindlich gesonnen, unfähig zu geben, ewig dazu verdammt, hungrig zu sein.

Quelle:
Jean Liedloff, Auf der Suche nach dem verlorenen Glück

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